Thema: Mitmachen auf dem Treffpunkt "verändern"
Eine neue Orientierungshilfe der EKD widmet sich dem Thema "Alter". Sie trägt den Titel: "Im Alter neu werden können. Evangelische Perspektiven für Individuum, Gesellschaft und Kirche".
Landesbischöfin Margot Käßmann, die Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), hat in Hannover eine Orientierungshilfe des Rates der EKD vorgestellt, die dem Thema „Alter“ gewidmet ist. Der Text trägt den Titel „Im Alter neu werden können. Evangelische Perspektiven für Individuum, Gesellschaft und Kirche“.
In der Kirche werde es zukünftig darum gehen, sich in Verkündigung, Seelsorge und Bildung der Ausdifferenzierung der Altersphase bewusst zu sein und Altersbilder zu reflektieren. Weiter gehe es darum, „sich auf die Spiritualität, Sprachfähigkeit und Tatkraft der neuen Altersgenerationen einzulassen und mit den Älteren zu wachsen“.
Für die EKD-Ratsvorsitzende zeigt der Text auf, dass alt zu sein aus der Perspektive des Glaubens nicht bedeute, fertig zu sein mit dem Leben, sich aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen. Die Orientierungshilfe erinnert daran, „dass Menschen in Gottes Gegenwart trotz allem, was war und was ist, immer wieder neu anfangen können“. Der EKD-Text öffnet nach Margot Käßmann die Augen für jene Einsicht, dass ein hohes kalendarisches Lebensalter heute kaum etwas über eine Person aussage. Entscheiden seien die Lebensbedingungen und die persönlichen Potenziale. „Wir müssen alten Menschen offen begegnen und sie in ihrer Einzigartigkeit begreifen.“
Der Vorsitzende der Ad-hoc-Kommission des Rates der EKD, der Heidelberger Gerontologe Professor Andreas Kruse, betonte in seinem Statement, dass Demenzerkrankungen den Pflegealltag in Zukunft noch stärker prägen werden, als dies heute der Fall sei. „Unsere Gesellschaft wird sich auf eine erhöhte Verantwortung gegenüber dem Leben in seiner Verletzlichkeit einstellen müssen“, sagte Kruse. Entscheidend sei, dass die Menschenwürde auch bei schwersten Erkrankungen nicht abgesprochen werden dürfe.
Die Orientierungshilfe plädiere für ein selbstverantwortliches und mitverantwortliches Leben im Alter, soweit die individuellen Ressourcen dies zuließen. Kruse erwähnte auch die Gestaltungschancen in Kirche und Diakonie: „30 Prozent der 70-Jährigen und Älteren betonen, dass sie sich gerne bürgerschaftlich engagieren würden, dass aber ihre Bereitschaft nicht abgerufen wird.“
„Das neue Alter wird auch die Kirche verändern“, betont die Landesbischöfin. „Gerade die neuen Altengenerationen wollen sich mit ihren Fähigkeiten selbstbestimmt einbringen und erwarten entsprechende Möglichkeiten in der Kirche.“ Die Orientierungshilfe ist von der Grundüberzeugung getragen, dass das veränderte Alter Perspektiven eröffnet und Veränderungen ermöglicht, von denen die Gesellschaft insgesamt profitieren wird. In der Kirche wird es vorrangig darum gehen, Altersgrenzen abzubauen und Kirchengemeinden als diakonische Gemeinden, als gemeinsamen Lebens- und Begegnungsraum für alle Generationen zu konzipieren und dabei mit anderen Trägern zu kooperieren. Erich Franz
Die Orientierungshilfe „Im Alter neu werden können. Evangelische Perspektiven für Individuum, Gesellschaft und Kirche“ ist erschienen im Gütersloher Verlagshaus, 2010, ISBN 978-3-579-05912-9, 96 S., 4,95 Euro. Die Orientierungshilfe kann auch aus dem Internet heruntergeladen werden: www.ekd.de/download/im_alter_neu_werden_koennen.pdf
(eingestellt am: 26.01.2010)
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