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Thema: Im Alter Versöhnung finden

Versöhnung - Ja sagen zum eigenen Leben


Bilanz ziehen und das eigene Leben so, wie es war, akzeptieren.


In der dritten Lebensphase rückt eine wichtige Aufgabe des Alters in den Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns: Bilanz zu ziehen und das eigene Leben so, wie es war, akzeptieren zu lernen.

Die Auseinandersetzung mit dem zurückgelegten Leben gelingt nicht immer. Einige klagen, weil sie meinen, im Leben zu kurz gekommen zu sein. Sie sehen mit einer „dunklen Brille“ das besonders deutlich, was sie nicht erreicht haben. Sie betonen ihre „Niederlagen“ stärker als ihre „Erfolge“. Nicht selten liegen Menschen mit sich und der Welt im Streit liegen, weil sie zu ihrer eigenen Lebensgeschichte nicht Ja sagen können. Sie verharren in der Rebellion gegen ihr Schicksal, fühlen sich als Opfer und machen andere für ihre vermeintliche Misere verantwortlich.

Wir Menschen können unseren Lebensweg nicht selbst aussuchen, und doch müssen wir ihn irgendwann annehmen. Wir müssen uns aussöhnen mit allem, was wir erlebt und erlitten haben. Wir sind aufgefordert, den Weg der Versöhnung zu gehen, einen Weg, der häufig mühsam, schmerzhaft und lang ist und oft erst nach dem Durchschreiten des „Tals der Tränen“ ans Ziel führt.

Der erste Schritt auf dem Weg der Versöhnung beginnt mit der Übernahme der Verantwortung für die eigene Lebensgeschichte. Erst dann erfolgt die Versöhnung mit sich selbst. Jetzt geht es darum, Ja zu sagen zu dem, was ich geworden bin; Ja zu sagen zu meinen Fähigkeiten und Stärken, meinen Fehlern und Schwächen, Unzulänglichkeiten und Grenzen.

Nur wer Ja sagt zu seinem fragmentarischen und verletzlichen Leben, wird versöhnt und in Frieden leben können – mit sich und seinem Nächsten. Und er wird merken: Versöhnung mit der eigenen Lebensgeschichte ist ohne Vergebung nicht möglich – schenkende wie annehmende. Er wird sich und andere liebevoller ansehen. Vor allem wird er auch das an sich annehmen können, was dem eigenen Selbstideal nicht entspricht.

Er wird sein eigenes Leben bejahen, hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und dankbar sagen: Es ist gut. Es darf so sein, wie es ist. Es hat alles seinen Sinn. Er wird dies sagen können, weil er mit Dietrich Bonhoeffer darauf hofft, „dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden als mit unseren vermeintlichen Guttaten“.

Fragen, die den Weg der Versöhnung begleiten können:
Was lief und läuft in meinem bisherigen Leben gut?
Was möchte ich verändern?
Welche meiner Wegstrecken waren schwierig?
Was ist mir weniger gelungen?
Gibt es offene „Rechnungen“, und wie können sie beglichen werden?
Wen möchte ich um Verzeihung bitten?
Wem kann ich verzeihen?
(eingestellt am: 27.07.2009)

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