Thema: Nächstenliebe
Ungeduld an der Kasse im Supermarkt: Alte Leute brauchen so lange zum Bezahlen. Aber schau doch mal genauer hin!
Die alte Frau an der Supermarktkasse sucht umständlich nach Kleingeld in ihrer Geldbörse. Sie hat Brot gekauft, Milch, Tomaten, etwas Gemüse und ein paar Scheiben Käse. Zum Einpacken ist sie noch gar nicht gekommen. Ich merke, dass ich kribbelig werde. We lange das alles dauert! Mit dem passenden Kleingeld klappt es nun doch nicht, sie bezahlt mit einem Schein und bekommt mehrere kleine Münzen als Wechselgeld zurück. Sehr langsam sammelt sie die Geldstücke ein.
Vor mir steht noch eine andere Kundin, ich kann jetzt nur die Hand der alten Frau sehen. Die Finger bewegen sich langsam, sorgsam heben sie eine Münze nach der anderen auf. Früher waren sie zart, jetzt sind sie verkrümmt. Die Haut ist runzlig und mit Altersflecken übersät. Meine Ungeduld ist verflogen. Was mag diese Hand alles getan, berührt, erlitten haben in einem langen Leben. Jetzt ist sie müde und langsam geworden, aber sie bewegt sich immer noch mit Sorgfalt und Bedacht. Nun packt die alte Frau ihren Einkauf in ihren Korb und wendet sich dem Ausgang zu. Ich sehe ihr nach und lächele plötzlich. Kommen Sie gut nach Haus, meine Liebe, ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! (eingestellt am: 15.06.2009)
Diesen Beitrag per E-Mail weiterempfehlen.
Empfehlung schreibenPortal aus und geben gern Rat?
Dann werden Sie Lotse.
Alles zum Mitmachen!
Erfahrungen teilen. Menschen kennenlernen, Füreinander da sein. Jetzt kostenlos anmelden und teilnehmen



3 Kommentare zum Beitrag
Hier ein Gedicht von Kurt Tucholsky in "Berliner Dialekt und Schreibweise"
Immer noch aktuell und sooo schön-
finde ich
Mutterns Hände
Hast uns Stullen jeschnitten un Kaffe jekocht
un de Töppe rüberjeschoben
un jewischt und jenäht
un jemacht un jedreht...
alles mit deine Hände
Hast die Milch zujedeckt
uns Bongbong zujesteckt
un Zeitungen aujetragen
hast die Hemden jezählt un Kartoffeln jeschält
alles mit deine Hände
Hast uns manches Mal bei jroßen Schkandal
auch n Katzenkopp jejeben,
Hast uns hochjebracht
wir warn Stücker acht
sechse sind noch am Leben...
Alles mit deine Hände
Heiß warn se und kalt.
Jetzt sind se alt
Nu bist de bald am Ende.
Da stehn wa nun hier un denn komm wir bei dir
und streicheln deine Hände.
Hallo ema, das finde ich einen sehr schönen Beitrag. Ich bin wohl erst 60 Jahre alt,aber auch ich denke manchmal, daß ich vielen Leuten zu langsam bin und in meinem Bekanntenkreis hatten wir mal das Thema, meine Freundinnen sagten auch, daß sie so selbstbewußt sind und die Nörgler ignorieren. Denn die jungen Leute bezahlen oft mit Schecks und das dauert aber auch seine Zeit. Wieviel langsamer muß dann ein alter Mensch sein, der nicht mehr die Kraft hat, um schnell das Geld heraus zu nehmen. Viele zittern auch sehr dabei. Ich möchte immer gerne mein Kleingeld los zu werden, und das dauert dann eben länger.
Ihr Schlußwort finde ich am schönsten, so viel verständnisvolle Menschen sollten überall sein.
Hallo Ema, Sie sprechen mir aus dem Herzen. Dieses Erlebnis habe ich beim Einkauf mit meiner lieben Mutter auch sehr oft. Wie oft ist man geneigt ungeduldig zu werden? Aber die Ruhe und Gelassenheit gibt einem viel mehr! Versuchen wir gemeinsam den Alltag etwas zu entschleunigen. Mit liebem Gruß nach Hannover, Paula