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Thema: Im Alter Versöhnung finden

"Das Alter ist für mich ein Balkon"


Erich Franz
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Willst du lange leben? Willst du alt werden?


Im Gottesdienst zu Pfingsten sangen wir das Lied „Wie lieblich ist der Maien“, Nr. 501 im Evangelischen Gesangbuch. In der dritten Strophe heißt es dann: „Herr, lass die Sonne blicken / ins finstre Herze mein, / damit sich’s möge schicken, / fröhlich im Geist zu sein.“ Spüre ich im Alter meines Lebens etwas von dieser Fröhlichkeit im Geiste?

Was werde ich antworten auf die Frage: „Willst du lange leben?“
Antworte ich: „Ja“ oder: „Nein“?

Was werde ich antworten auf die Frage: „Willst du alt werden?“
Antworte ich „Ja“ oder: „Nein“?

Für Marie Luise Kaschnitz ist das Alter ein Balkon, von dem man zugleich weiter und genauer sieht.

Wie geht es Ihnen mit diesen beiden Fragen?
Willst du lange leben?
Willst du alt werden?
(eingestellt am: 02.06.2009)

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1 Kommentar zum Beitrag

spero
12.10.2009 (15:02 Uhr) alt werden

Für mich ist nicht mehr die Frage ob ich lange leben will und alt werden, sondern wie ich die letzte zeit verbringe. Der Arzt sprach von "Lebensqualität". Von seinem Standpunkt meint er das körperliche Wohlbefinden.
Bei mir hat sich einiges umgedreht.
Nicht auf die Länge des Lebens kommt es an, sondern auf die Tiefe.
Nicht auf das gesund werden, sondern auf das heil werden.
Die Räume der Zukunft sind nicht von dieser Welt, die Räume der Vergangenheit darf ich manchmal besuchen, aber nicht drinnen wohnen.
Aber ich lebe durch die Krankheit in den Räumen der Gegenwart und stelle fest, sie waren in der Vergangenheit fast unbewohnt. Ich war immer woanders. Dabei sind nur sie die mir geschenkte Zeit. Ich bin heimgekehrt und staune.
Denke ich an mein Leben, so sehe ich es heute als Bergwanderung. Der letzte Weg zum Gipfelkreuz ist beschwerlich.
Aber die Sicht wird klarer. Es ist still um mich geworden, aber ich bin dem Himmel näher. Der Weg ist steinig, aber jede kleine Quelle ist köstlich.
Ich lernte Loslassen, Ballast abwerfen, so wandert es sch leichter.
Und jeder einsame Wanderer der mir begegnet wird mir zum Bruder zur Schwester.

Beide gefundenen Sichtweisen sind neue Erkenntnisse meines Lebensabschnittes.


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Erich

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