Thema: Glaube und Handeln
Verbundenheit im Glauben: Die Kirchenfenster von Marc Chagall in Mainz
Bei einem Besuch in Mainz habe ich die berühmten Glasfenster des jüdischen Künstlers Marc Chagall gesehen. Chagall war bereits hoch betagt, als er die Fenster für den Ostchor der Kirche schuf. Den Anstoß für dieses eindrucksvolle Werk gab der Priester Klaus Mayer. Der Sohn eines jüdischen Kaufmanns hatte den Zweiten Weltkrieg und die Judenverfolgung als Klosterschüler und späterer Priesterseminarist überstanden. Nun wollte er ein Zeichen für Versöhnung und Frieden setzen. Er nahm Kontakt zu Marc Chagall auf und bat ihn, für die Kirche ein Fenster im Ostchor zu entwerfen. Chagall, der eigentlich Deutschland nicht wieder betreten wollte, war von diesem Vorhaben so bewegt, dass er von 1976 bis 1980 sechs Fenster entwarf, die noch zu seinen Lebzeiten realisiert wurden.
Als wir die Kirche betreten, sind die Bänke dicht besetzt. Ein kleiner älterer Priester spricht über die Fenster und ihr Bildprogramm, in dem jüdisches und christliches Erbe sich zu einer faszinierenden Einheit gefunden haben. Es ist Klaus Mayer selbst, der über 90-jährig fast täglich zu Meditationen über die Chagall-Fenster einlädt.
Im Kirchenführer über St. Stephan, den Klaus Mayer verfasst hat, schreibt er über Chagall und sein Werk: „Insbesondere wollte der jüdische Künstler in einer christlichen Kirche in Deutschland ein Zeichen setzen für jüdisch-christliche Verbundenheit. Er hat es geschaffen, zunächst im Mittelfenster, in seiner Vision vom ,Gott der Väter’, dem ,Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs’. In ihr soll uns bewusst werden, dass der ,Gott unseres Herrn Jesus Christus’ kein anderer ist als der ,Gott der Väter’, wie die neutestamentlichen Schriften bezeugen. So zeigt uns der Künstler den tiefsten Grund auf, warum Juden und Christen zusammengehören.“
(eingestellt am: 06.07.2011)
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