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Treffpunkt leben
Thema: Halbkugeln aus Magdeburg

Die "Magdeburger Halbkugeln" sind eine intergenerative Online-Redaktion, die sich regelmäßig an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg trifft und sich u.a. mit der facettenreichen Thematik Lieben und Alter(n) beschäftigt. Aber es werden auch weitere Themen, wie z.B. Medien im Alter, Bildbearbeitung, Erstellung eines Videos usw. behandelt.
Das Leben ist so vielfältig,
deshalb begleiten wir hier diesen Treffpunkt LEBEN.

Kein Anschluss unter dieser Nummer…

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Nachdem zwei Geschwister wegen der politischen Verhältnisse in Deutschland jahrzehntelang nur spärlichste Kontakte zueinander pflegen konnten, tun sich jetzt neue Bedingungen auf, die persönliche Kontakte verhindern und die mich erschrecken.


Mein Freund Herbert * ist schon über 80 Jahre alt. Wir kennen uns seit über 50 Jahren und uns verbinden frühere gemeinsame Erlebnisse, die in den 50er Jahren begannen: Beide waren wir sehr frühzeitig Besitzer eines Mopeds „SIMSON SR1“, fuhren im Winter mit einer BSG (Betriebssportgemeinschaft) gemeinsam zum Skilaufen in den Harz und im Sommer gemeinsam zum Camping an den Waldsee in Gommern oder auch mehrmals an die Ostsee.
Herbert * hatte eine Schwester Gisela*, die schon damals sehr frühzeitig „abgehauen“, d.h. in die BRD übergesiedelt war. Sie wurde immer wieder zum Gesprächsthema, da sie einen Spezialisten geheiratet hatte, mit dem sie zu einem mehrjährigen Auslandseinsatz nach Pakistan ging und zu erstaunlichem Wohlstand gekommen sein soll. Nach der Rückkehr in die Heimat sollen sie sich ein Traumhaus gebaut haben.
Danach wendete sich das Blatt: Der Mann verstarb nach einem schweren Unfall. Gisela* heiratete wieder, blieb aber vom Pech verfolgt. Ihr zweiter Mann wurde Alkoholiker, war kaum zu ertragen und brachte das Vermögen durch. Es folgte die Ehescheidung.
Inzwischen waren in Deutschland die Grenzen gefallen und Gisela* besuchte mehrmals wieder ihre Heimatstadt Magdeburg und alte Bekanntschaften -auch zu uns- wurden aufgefrischt, was nun auch schon wieder einige Jahre zurück liegt.
Kürzlich fragte ich Herbert*: “Was macht denn eigentlich Gisela* noch?“
„Das weeß ich nich, ich gloobe, die is’ jestorben. Als ich das letzte Mal anrufen wollte, hieß es: Kein Anschluss unter dieser Nummer!“
„Hast Du denn da nicht mal nachgeforscht?“
„Um Himmels Willen! Die war doch ein Sozialfall. Wenn ich mich da jetzt melde, muss ich bloß den ganzen Kram bezahlen!“

Ist eine solche bedrohliche Verarmung an persönlichen Kontakten nicht eine schlimme Nebenwirkung unseres viel gerühmten „sozialen Netzes“?

* = Namen geändert
(eingestellt am: 08.08.2010)